Sonntag, 9. April 2017

Zwischenbericht Nr. 13

Ich blicke in den Spiegel und mir gegenüber steht ein blasser Geist. Ich erkenne mich selbst kaum wieder, so kraftlos schaut mir mein vermeintliches Ebenbild entgegen. Diese Woche hatte ich mit allerlei Sachen zu kämpfen. Am Montag musste ich, wie jede Woche ab jetzt zum Blutabnehmen. Dies lässt sich allerdings bei meinem Hausarzt erledigen, der nur eine viertel Stunde entfernt ist. Trotzdem war es keine schöne Angelegenheit von den Leuten im Wartezimmer so angeblickt zu werden. Wegen der Chemo ist mein Immunsystem sehr angreifbar und ich darf deswegen nicht im Wartezimmer sitzen, weil die Gefahr zu groß ist, dass ich mich anstecken könnte. Sobald man nur ein bisschen Fieber hat, werden sofort Antibiotika bei einer Chemo gegeben. Die Leute schauten mich so feindselig an. Ein bisschen kann ich sie verstehen, schließlich warteten sie bestimmt schon eine Zeit und dann kommt da so ein junges Mädchen und darf einfach an allen vorbei gehen. Kein schönes Gefühl, besonders als ich dann schnell wieder herauskam und die Blicke noch verärgerter waren.

Allein dieser kleine Arztbesuch nahm mir so viel Kraft, dass mir auf den Weg die Treppe nach oben zuhause schwarz vor Augen wurde. So sah dann auch mein Rest der Woche aus. Ich hatte keine Kraft, konnte aber auch nichts essen. Mir war ununterbrochen schlecht und ich hatte Sodbrennen. Immer wenn ich metallisches Besteck zum Essen nahm, hatte ich den Geschmack von Blut im Mund. Auch wenn das jetzt vielleicht etwas peinlich ist, aber ich möchte euch die Wahrheit nicht vorenthalten - wenn man eine Chemotherapie durchmacht, dann kann man Verstopfungen bekommen. Persönlich dachte ich nie, dass mich das jemals betreffen würde, da ich eine Pflaume oder Joghurt nur schräg anschauen muss, um gleich darauf die Toilette aufsuchen zu müssen. Folglich hatte ich also auch mit Verstopfungen zu kämpfen.

Aber keine Angst, die Woche endet nicht so negativ, wie sie sich bis jetzt gestaltete. Ich bekam ein Medikament von meinem Hausarzt verschrieben, welches alles wieder ins Lot brachte. Gegen den metallischen Geschmack hilft das Camping-Besteck von Tupper und schlecht ist mir nur noch, wenn ich Dinge esse, auf die ich eigentlich keine Lust habe. Am Samstag verbesserte sich mein Befinden. Zum Glück, denn am Freitag lieferte der Briefträger das neue Yo-Kai Watch 2 und ich konnte die ganze Woche nicht spielen. Wenn ich nur auf ein Bildschirm geschaut habe, drehte sich alles und mir wurde schlecht. Am Sonntag konnte ich sogar ganze drei Stunden am Stück spielen. Klingt zwar nach nicht viel, aber nach einer Woche war dies eine Wohltat. Hatte mich auch schon ernsthaft gelangweilt.

Pakete sind diese Woche auch wieder bei mir eingetroffen. Mein lieber Twitter-Martin schickte mir ein Fachbuch über Videospiele und einen sagenhaften, kitschigen Brief. Vom lieben Patrick alias mop0er erhielt ich ein Paket mit Poochys und Yoshis Wolly World, einem Nook Amiibo, ein handsigniertes Malbuch für Nerds und einen wunderschönen Brief. Ich danke euch! Es ist immer wieder unglaublich, wie unfassbar lieb Menschen aus dem Internet sein können. Fühlt euch alle umarmt!

Am Sonntag ist aber noch etwas passiert. Ich habe mein Papa gebeten mir die Haare abzurasieren. Eigentlich habe… entschuldigung… hatte ich Haare bis zu meinem Hintern. Am Tag, als ich die Diagnose bekam, schnitt ich sie bereits 20 cm ab. Etwas hatte sich verändert und irgendwie musste ich der Sache damit Ausdruck verleihen. Außerdem hatte ich da schon keinen Bock mehr mich mit meinen langen Haaren herumzuärgern, sprich waschen uns kämmen, wenn sie sowieso nicht von Dauer sind. Nun war es also Sonntag soweit, sie komplett loszuwerden. Ich wollte nicht warten, bis sie mir dann wahrscheinlich nächste Woche in Büscheln ausfallen werden. Erst flechtete meine Mama mir einen Zopf, den wir als erstes abschnitten und dann machte sich mein Papa mit dem Rasierer ans Werk.

Eigentlich wollte ich diese Woche über das Thema Schönheit schreiben, aber ich glaube, da brauche ich noch eine Woche zum Überlegen und zum Gewöhnen. Aber so gehen uns zum Glück die Themen nicht aus. Fassen wir zusammen - diese Woche heftigen Nebenwirkungen, tolle, liebe Worte & Pakete und Haare ab. Also dann haltet die Ohren steif! Ich werde es auch versuchen. :)

Kommentare:

  1. Puh, das klingt alles so furchtbar :(
    Ich hoffe du bleibst weiterhin stark!
    Freut mich, dass mein Paket dich etwas aufheitern konnte :)

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    1. Ja, vielen lieben Dank! Das war wirklich eine Freude! <3

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