Sonntag, 2. April 2017

Zwischenbericht Nr. 12

Mittlerweile ist auch die dritte Woche um, die irgendwie doch tatsächlich die härteste rein von den körperlichen Anstrengungen war. Doch zuallererst entschuldigt mir bitte meinen kleinen Aprilscherz bezüglich des Beautyblogs. Natürlich liebe ich immer noch Videospiele und den ganzen nerdigen Kram über alles und darum soll es auch weiterhin in diesem Blog gehen. Aber nun weiter zur Woche. Schon am Wochenende war mir etwas unwohl zumute, welches sich wohl auf die zwei Vollnarkosen zurückführen lässt. Aber es tat gut ganze vier Tage mal Ruhe zu haben und auf keinem Untersuchungstisch zu liegen. Trotzdem hielt mich das nicht ab am Sonntagabend noch ordentlich einen Streit mit meiner Familie vom Zaun zu brechen - peinlicherweise wegen einem geschmolzenen Eis. Zwar war es mein Lieblingseis, aber da sieht man mal wie dünnhäutig man wird. Wegen eines dusseligen Eis habe ich total angefangen zu weinen. Ich schiebe es mal auf die Anspannung. Zum Glück beruhigte sich alles ganz schnell, weil meine Eltern einfach klasse Menschen sind, die meine Eskapaden akzeptieren. :) Diese Woche sollte ja auch die erste Chemo-Therapie stattfinden.

Eigentlich dachte ich, dies wäre am Montag schon fällig, aber nix da. Was mich sehr beruhigte, denn ich sollte erst einmal meine Onkologin kennen lernen. Die Krankenschwester war einfach großartig und sie hörte sogar auf mich beim Blutabnehmen und so war Einstich Nr. 13 nicht ganz so schmerzhaft. Das Gespräch mit meiner Onkologin lief einfach traumhaft. So eine ruhige und kompetente Frau, die mir sofort die Angst nehmen konnte, welche mir schon die ganzen vorherigen zwei Wochen im Kopf umher schwebte. Ich habe im Internet gelesen, dass der erste Einstich in den Port zur Chemo unglaublich weh tun sollte. Sie schaute meine Narbe an und beruhigte mich, dass das alles bei mir so gut abgeheilt ist, dass es wohl kaum Schmerzen verursachen würde. Und so spazierte ich erleichtert wieder aus der Praxis mit einem Termin für Donnerstag zur ersten Chemo und davor noch in der Cardiologie zum Herzecho.

Da mein Papa vor über 6 Jahren eine Herzmuskelentzündung hatte und einen ICD eingesetzt bekommen hat, mit dem er jetzt sehr gut leben kann, war ich also auch wieder, wie es die Ärzte so schön nennen “vorbelastet“. Nachdem wir im Wartebereich ein abstraktes Bild angestarrt hatten, von dem ich zu 100% überzeugt war, dass es zwei Menschen beim Sex zeigte, kam ich auch relativ zügig an die Reihe. Vielleicht wird der Fragebogen beim Cardiologen auch erst einmal der letzte sein, den ich ausfüllen muss. Immer wieder das Gleiche zu schreiben, ist wirklich ermüdend. Bei meinem Herzecho kam heraus, dass ich ein rundum gesundes und starkes Herz habe. Der Cardiologe war wie alle anderen Ärzte auch ganz schön erstaunt über mein Alter. Tja, egal, wie alt, wie gesund oder anderes, jeden kann es erwischen.

Den Mittwoch nutze ich nochmal ordentlich um nach Herzenslust zu spielen. Meine Leidenschaft zu Assassins Creed wurde durch ein tolles Paket wieder entfacht. Da haben mir die Leute von Zockwork Orange einfach ein Assassins Creed Paket mit cooler Tasche und Artbook geschickt. Die wunderschön geschriebene Karte hat mir die Tränen in die Augen getrieben. An dieser Stelle ein großes Dankeschön nochmal. Die Tasche habe ich sofort am Donnerstag mit zur ersten Chemo genommen. Sie ist sogar ausgestattet mit einem Fach, in das mein 3DS perfekt passt. Genauso möchte ich mich nochmal für den Brief von Sarah von Nonsense Entertainment bedanken und bei meinem Twitter-Martin, der mich mit seinem Humor und seiner Fürsorge unterstützt. Selbstverständlich auch Danke, an die vielen Leute, die mir hier und auf Twitter immer wieder herzallerliebste Kommentare schreiben. Vielen Dank und fühlt euch alle umarmt!

Und dann war auch schon Donnerstag. Mit weniger Angst, als es noch am Montag der Fall war fuhren wir also zur Onkologischen Praxis. Rund um die Praxis blühten wunderschöne Osterglocken, die einen gleich freudenstrahlend begrüßten und zu einer guten Atmosphäre beitrugen. Meine Onkologin fragte gleich sehr interessiert, was ich den zum Spielen dabei habe, seit ich ihr am Montag erzählt habe, dass ich einen Blog über Videospiele betreibe. Ihre zwei Kinder sind ebenfalls sehr begeistert an Videospielen… da fällt mir ein, dass meine Onkologin dies vielleicht alles schon mitliest. Falls das der Fall sein sollte - an dieser Stelle viele liebe Grüße und ein großen Lob für Ihre tolle, ruhige Art! :)

Meine Mama begleitete mich, wie schon zu allen anderen Terminen auch diesmal. Vielen Dank auch an dieser Stelle an meine liebe Mama. Natürlich auch an meinen Papa für seinen Humor und Marius fürs Staubsaugen. Der erste Einstich in den Port wurde von meiner Onkologin persönlich gemacht, um es mir so angenehm wie möglich zu gestalten. Und was soll ich sagen, es tat so überhaupt nicht weh. Alle Horrorgeschichten bezüglich des Ports aus dem Internet haben sich für mich als unwahr herausgestellt. Eigentlich wollte ich eine Runde Another Code auf meinem 3DS spielen und Mama wollte in ihrem mitgebrachten Buch lesen. Tja, falsch gedacht, die vier Stunden, in der die Chemo durch meine Adern lief, las Mama mir lustige Geschichten vor, die sie auf Pinterest gefunden hatte. Einmal bekamen wir beide einen solchen Lachkrampf, dass eine Schwester schon reinkam und fragte, ob alles in Ordnung ist. Aber das machten die Schwestern und meine Onkologin sowieso. Ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben.

Nach der Chemo ging es mir gut, außer dass ich von dem rötlichen Mittel rosa pinkeln musste. Aber das war doch ein netter Nebeneffekt. :) Ich hatte bereits am Morgen beschlossen an diesem Tag nur Flüssiges zu mir zu nehmen. Eine Art Fasten, welches meine Zellen schützen soll. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann hätte ich den grünen Smootie und die Brühe lieber weglassen sollen. Gegen Abend wurde mir furchtbar schlecht. So schlecht, dass ich mich fast übergeben habe. Aber mit weiteren Medikamenten gegen die Übelkeit ging es mir zur Nacht dann doch wieder etwas besser.

Der Morgen gestaltete sich dann doch ganz angenehm. Mir war nicht besonders schlecht und ich konnte sogar bevor ich meine morgendlichen Tabletten zu mir nahm eine halbe Banane essen. Eigentlich ernähre ich mich vegan - zwar gibt es einmal im Monat Fisch, sodass ich keine Eisentabletten schlucken muss und ausnahmsweise geht auch mal Käse auf einer Pizza, wenn ich Lactase gleich dazunehme, aber eigentlich ist der Grundsatz bei mir vegan. Fleisch, Ei und Gelatine geht bei mir gar nicht. Das dies wahrscheinlich nicht so weiter gehen kann, eröffnete mir der Arzt sofort nachdem er mir meine Diagnose mitteilte. Also ist jetzt einmal in der Woche Fisch angesagt und mit Vorsicht Milchprodukte. Zum Glück, denn komischerweise entdeckte ich an diesem Tage der vergangenen Chemo das Nutella-Brot wieder für mich.

Eigentlich sollte man ja keinen Hunger auf etwas Süßes verspüren, aber ich habe Bock auf Nutella, AppleCrumblePie, Eis und Pizza. Tja, warum sollte auch mal etwas bei mir normal laufen? Normal ist doch auch langweilig. Ich fühle mich etwas in meine Kindheit zurück versetzt, alles was ich damals unglaublich gerne mochte, verursacht bei mir kein Gefühl von Übelkeit - also her mit dem Nutellabrot! Die Portionen müssen zwar klein sein und über den Tag verteilt, aber dann ist alles gut. Weintrauben scheinen auch immer zu gehen.

Meine Übelkeit machte meiner Onkologin am Telefon etwas Sorgen, aber sie empfahl mir ein weiteres Medikament, welches zur Nacht ganz gut wäre. Allein diese Fürsorge am Telefon war spitze. Zum Abend hin verspürte ich etwas Übelkeit und nahm die sowieso schon vorhandenen Tabletten diesmal etwas früher. Unsere Küche sieht mittlerweile aus wie eine Apotheke. Aber die Tabletten schlugen gut an und ich schaffte es sogar, während meine Mama das Küchenfenster putzte eine Rezension über eine App zu schreiben, die ihr hier ja schon sehen konntet. Irgendwie durch die ganzen Wartezeiten in Krankenhäusern bin ich auf viele gute, aber auch schlechte Apps gestoßen. Mal schauen, was ich euch von meiner Ausbeute noch so alles präsentiere.

Beim Spielen wird mir manchmal etwas schwindelig, wenn es zu wusselig auf dem Bildschirm zugeht, aber dann ist halt eine kleine Pause beim Assassins Creed spielen einzulegen. Jede Woche muss ich zum Blut abnehmen und alle drei Wochen gibt es Chemo. Nächsten Freitag habe ich ein Termin bei einem Friseur für eine Perücke. Im Moment denke ich viel über den Begriff Schönheit nach, aber ich glaube, dass erzähle ich euch nächste Woche.

Also, haltet die Ohren steif! Bei mir gibt es jetzt wieder Nutellabrot und Assassins Creed! :)

Kommentare:

  1. Achja, die guten alten Nutellabrote. Die haben mich auch schon durch die eine oder andere Krise begleitet :D

    Schön, dass man sich so gut um dich kümmert :)

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  2. Hey Gwyn,
    ich habe schon so verdammt oft angefangen hier etwas zu schreiben zu Deinen ausführlichen Dokumentationen im Kampf mit Deinem Krebs... aber immer wieder lösche ich all meine Worte, weil ich einfach nicht das Gefühl habe als könnten Sie das rüber bringen, was ich Dir gerne vermitteln würde. Entweder sie sind zu platt, klingen nach platitüden oder klingen viel zu vertraut, obwohl wirt uns doch gar nicht kennen... ich bin schließlich bisher nur stiller mitleser deines blogs. In all diesen von mir verfassten und wieder gelöschten Kommentaren waren aber immer wieder die selben Worte vorzufinden, die ich Dir hiermit jetzt gerne zurücklassen möchte da sie wirklich vom Herzen kommen und gefühlt gerade das einzige sind was Du auch wirklich gebrauchen kanst:

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

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    1. Gerrit, ich danke dir für deine offenen Worte und deine guten Wünsche. Das bedeutet mir wirklich viel, dass man obwohl man denkt es klingt entweder zu platt oder zu vertraut trotzdem den Mut hat mir zu schreiben. Meist macht man sich selbst viel zu viele Gedanken um seine Worte. Ich danke dir vom ganzem Herzen.

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